Therapie eines akuten Gichtanfalls

Werden akute Gichtanfälle nicht behandelt, manifestiert sich die Gicht chronisch mit häufigeren Anfällen und immer mehr Ablagerungen in Gewebe und Gelenken. Die rasche und konsequente Behandlung des akuten Gichtanfalles ist daher entscheidend für eine möglichst beschwerdefreie Zukunft.

Neben langfristigen Anpassungen des Lebensstils (Wie kann eine purinarme Ernährung leicht umgesetzt werden? -> Purinrechner) werden auch Medikamente zur erfolgreichen Therapie eingesetzt.

Überblick:1

Ziel der Behandlung eines akuten Gichtanfalls ist ein möglichst rascher Schmerzrückgang und ein schnelles Ende der Gelenkentzündung. Wenn keine Medikamentenbehandlung erfolgt, kann der Gichtanfall wenige Tage bis zu zwei Wochen andauern. Die passende Therapie kann die Symptome deutlich und schnell mildern. Wichtig ist, dass die Therapie schnell (am besten innerhalb der ersten 24 Stunden) begonnen wird. Es gibt drei Standardtherapeutika:

  • Colchicin
  • nicht steroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Glukokortikosteroide

Welches individuell zum Einsatz kommt, muss der Arzt bzw. die Ärztin entscheiden. Dabei werden u. a. Begleiterkrankungen des Patienten bzw. der Patientin berücksichtigt.

Colchicin

Colchicin ist ein Alkaloid der Herbstzeitlose, das relativ spezifisch gegen die durch die Kristalle ausgelöste Entzündung wirkt.2 Colchicin hindert die weißen Blutkörperchen daran, Harnsäurekristalle aufzunehmen und zu transportieren.

Beim Einsatz von Colchicin müssen Einschränkungen und Nebenwirkungen beachtet werden, doch überwiegen die Vorteile für von Gicht betroffene Patient:innen, wenn der Einsatz sachgerecht ohne Kontraindikation und in niedrigen Dosierungen erfolgt.

Colchicin sollte wie NSAR nicht bei Patient:innen mit verringerter Nierenfunktion eingesetzt werden. Colchicin darf wegen möglichen Interaktionen nicht bei Patient:innen eingesetzt werden, die mit starken P-Glykoprotein- und/oder CYP3A4-Inhibitoren wie Cyclosporin oder Clarithromycin behandelt werden.3 

Colchicin kann u. a. Brechreiz, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen verursachen. Bei diesen Nebenwirkungen sollten Sie einen Arzt bzw. eine Ärztin kontaktieren, bei Auftreten von Diarrhö muss die Behandlung gestoppt werden.2 Die Intensität und Häufigkeit dieser Nebenwirkungen wird durch niedrigere Dosen ohne deutlichen Wirkungsverlust verringert. Studien zeigen, dass niedrige Dosierungen ausreichen2, um einen akuten Gichtanfall erfolgreich zu behandeln. Nebenwirkungen treten dabei viel seltener und weniger intensiv auf.

Bei Gichtpatient:innen, die an einer Herzerkrankung leiden, könnte die kardioprotektive Wirkung von Colchicin einen zusätzlichen Vorteil darstellen. Studien deuten auf positive Effekte von Colchicin bei koronaren Herzkrankheiten hin.3 Da NSAR bei schweren kardiovaskulären Erkrankungen zu vermeiden sind2, könnte dies in diesem Fall für die Wahl von Colchicin sprechen. Diese Entscheidungen trifft der Arzt bzw. die Ärztin.

Nichtsteroidale Antirheumatika

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind verschiedene Substanzen, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Bei einem akuten Gichtanfall werden sie für einige Tage hochdosiert angewandt. Eine moderate Niereninsuffizienz und eine schwere kardiovaskuläre Erkrankung stellen Kontraindikationen dar.2 

NSAR können zu schwerwiegenden Nebenwirkungen im Magen-Darmbereich führen, erhöhen zudem das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die Nebenwirkungen können verschiedene Organe und Organsysteme betreffen. Mögliche schwere Nebenwirkungen (gastrointestinal, kardiovaskulär, hepatisch) sollten bei der Verordnungsentscheidung berücksichtigt werden.4

Glukokortikosteroide

Glukokortikosteroide wirken u.a. entzündungshemmend und werden bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt. Aufgrund von Kontraindikationen, Unverträglichkeit oder fortgeschrittener Niereninsuffizienz wird bei Gicht ggf. eine Behandlung mit Glukokortikosteroiden empfohlen.5

Die Art und Intensität der möglichen Nebenwirkungen von Glukokortikosteroiden erfordert auch hier hohe Aufmerksamkeit von Arzt bzw. Ärztin und Patient bzw. Patientin. Dazu gehören insbesondere Gewichtszunahme, Magengeschwüre, Ausdünnung der Haut, Blutergüsse, verlangsamte Wundheilung, erhöhtes Infektionsrisiko, psychische und neurologische Störungen, erhöhter Blutzucker und Blutdruck. Kontraindikationen sind u.a. unkontrollierte Zustände einer diabetischen Stoffwechsellage und eines arteriellen Hypertonus.2

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Quellen:

1. Engel B. Gicht in der hausärztlichen Praxis. Fortschr Med 2021; 163 (1)

2. Tausche AK CME Zertifizierte Fortbildung Gicht. Internist 2021; 62: 513-525

3. Boyadzhieva Z et al. Colchicin: altes Medikament mit neuem Nutzen. Z Rheumatol 2021, 80: 647-657

4. dgrh.de/Start/Publikationen/Empfehlungen/Medikation/Nichtsteroidale-Antirheumatika.html (aufgerufen Juni 2022)

5. Tausche AK et al. Gicht – aktuelle Aspekte in Diagnostik und Therapie. Dtsch Arztebl Int 2009; 106 (34-35): 549-55