Dauertherapie bei Gicht

Nach Abklingen des akuten Gichtanfalles müssen die erhöhten Harnsäurewerte auf ein normales Niveau zurückgeführt und hier gehalten werden. Gelingt dies nicht durch eine Veränderung des Lebensstils und eine Ernährungsumstellung, kann der Einsatz spezifischer Medikamente erforderlich sein.

Wie Sie mithilfe des Ysat Purinrechners eine purinarme Ernährung umsetzen können, lesen Sie hier.

Mit dem Purinrechner berechnen Sie, wieviel Purin sich in einem Lebensmittel befindet und welcher Harnsäuremenge das entspricht. Durch eine purinarme Ernährung kann der Harnsäurewert gesenkt werden.

Guten Appetit: Dieser kleine Alltagshelfer unterstützt Sie bei der purinarmen Ernährung.

In internationalen Leitlinien wird empfohlen den Harnsäurespiegel unter den Wert von 6,8 mg/dl einzustellen, die EULAR (European Alliance of Associations for Rheumatology) nennt sogar noch etwas niedrigere Werte.1 Eine medikamentöse Langzeitbehandlung zur dauerhaften Senkung der Harnsäurewerte (z. B. mit Allopurinol) sollte nicht vor dem völligen Abklingen der akuten Entzündung gestartet werden, d. h. frühestens zwei Wochen nach Beginn des akuten Gichtanfalls.1, 2

Um den Harnsäurepool des Körpers zu verringern, stehen zwei Arten von Medikamenten zur Verfügung.

Urikosurika – Die "Harnsäure-Ausscheider"

Der Begriff Urikosurika beschreibt Medikamente, die die Harnsäureausscheidung fördern

Als Urikosurikum hemmt Benzbromaron die Rückresorption der Harnsäure in der Niere und vermindert so die Konzentration im Blut. Die Neubildung von Gichtknoten (Tophi) wird verhindert, es kann sogar zu einem teilweisen Abbau kommen. Um die Bildung von Harnsteinen zu verhindern, sollte genug Flüssigkeit eingenommen werden.3 Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden.

Urikostatika – Die "Harnsäure-Blocker"

Hierbei handelt es sich um Medikamente wie Allopurinol oder Febuxostat, die die Harnsäuresynthese hemmen. Als Mittel erster Wahl gilt Allopurinol.1,2 Febuxostat kommt nur dann zum Einsatz, wenn Allopurinol nicht ausreichend wirkt, nicht vertragen wird oder eine Kontraindikation für Allopurinol vorliegt. Bei einer schweren kardiovaskulären Erkrankung sollte Febuxostat vermieden werden, bei einer Niereninsuffizienz ist Allopurinol in höheren Dosierungen zu vermeiden.3

Diese Präparate hemmen ein spezifisches Enzym (Xanthinoxidase) des Purinstoffwechsels, das die Bildung von Harnsäure katalysiert. Dadurch werden bestimmte Stoffwechselprodukte, die als Vorstufe bei der Bildung der Harnsäure beteiligt sind (Hypoxanthin, Xanthin), vermehrt ausgeschieden. Dies führt letztlich zu einer Senkung des Harnsäurespiegels.

Zu den gängigsten Nebenwirkungen von Allopurinol gehören allergische Hautreaktionen2 wie Juckreiz, Rötungen und Schwellungen, Übelkeit, Brechreiz und Durchfall. 

Zu Beginn der Therapie können durch die Medikation vor allem dann akute Gichtanfälle ausgelöst werden, wenn sie zu früh – vor dem völligen Abklingen des akuten Gichtanfalles – eingesetzt werden. Daher ist bei einer harnsäuresenkenden Therapie auch ein „einschleichender“ Beginn angeraten.3

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Eine purinarme Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Gichttherapie. Der Harnsäurespiegel kann durch eine Ernährungsumstellung gesenkt werden.

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Quellen:

1. Engel B. Gicht in der hausärztlichen Praxis. Fortschr Med 2021; 163 (1)

2. Prautzsch H & Engel B DEGAM-Leitlinie für die primärärztliche Versorgung. Häufige Gichtanfälle und chronische Gicht. S2e-Leitlinie. DEGAM, 2020

3. Tausche AK CME Zertifizierte Fortbildung Gicht. Internist 2021; 62: 513-525