Informationen zur Krankheit

Behandlung des akuten Gichtanfalles:

Die Ligen der europäischen und der US-Rheumatologen sind die wissenschaftliche Verbände derjenigen Ärzte, die sich mit dem Krankheitsbild Rheuma und innerhalb dieses Faches sehr speziell mit Gicht beschäftigen. Diese Verbände gelten weltweit als wissenschaftlich führend und erarbeiten u. a. kontinuierlich aktualisierte Richtlinien, die Ärzten in der ganzen Welt die Sicherheit geben, ihre Patienten immer nach dem neuesten Stand der Wissenschaft zu behandeln.

Die im Jahr 2014 und 2015 neu erstellten Leitlinien zur Behandlung von Gicht reagieren insbesondere auf die in neuen Studien beschriebenen großen Gefahren, die von einem Einsatz nicht-steroidaler-Antirheumatika (NSAR) wie z.B. Diclofenac etc. ausgehen.

Da bei der Einführung der ersten NSAR vor mehr als 20 Jahren keine Langzeiterfahrungen vorlagen, haben tausende Ärzte der Werbung der Pharmafirmen vertraut und diese Präparate u.a. auch bei der Behandlung des akuten Gichtanfalles eingesetzt. Versprochen wurde u. a. dass  NSAR Schmerzen schneller beseitigen und weniger Nebenwirkungen erzeugen, als das bis dahin bei einem akuten Gichtanfall fast ausschließlich eingesetzte Colchicin.

Nach einigen Jahren Erfahrung mit NSAR gab es die ersten Vermutungen, später konkretere Hinweise und am Ende gezielte Untersuchungen zu den immer häufiger berichteten Nebenwirkungen der angeblich sicheren NSAR. Weltweit wurden hunderte Millionen Patienten mit NSAR  behandelt. Millionen erlitten lebensgefährliche Nebenwirkungen und zehntausende starben nach der Einnahme. Wie gefährlich die Therapie mit NSAR konkret ist, haben Wissenschaftler der Uni Bern aber erst im Jahr 2011 - mehr als 20 Jahre nach deren Einführung - untersucht und beschrieben.

Nach Bekanntwerden der Studie und noch vor der Reaktion des Gesetzgebers haben viele Ärzte die Verordnung von NSAR erheblich eingeschränkt, heute ist der Verkauf dieser Schmerzmittel in der Apotheke neu geregelt, die Beipackzettel enthalten neue Warnhinweise und selbst die Hersteller warnen Ärzte vor nicht mehr verantwortbarer breiter Anwendung.

Heute steht fest: NSAR können zu lebensgefährlichen Nebenwirkungen im Magen-Darmbereich führen, erhöhen das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle, verschlechtern die Prognose von Patienten mit Erkrankungen des Herz-Kreis-lauf-Systems, erhöhen die ohnehin bestehenden Risiken für lebensgefährdende arterielle Thrombosen bei Patienten mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und bei Rauchern. NSAR sind/waren allein in Deutschland verantwortlich für mehr als 2.000 Tote pro Jahr.

Weltweit empfehlen heute deshalb alle wissenschasftlichen Ligen in ihren Leitlinien zur Behandlung des akuten Gichtanfalles den Einsatz von Colchicin. Auch hier müssen Einschränkungen und Nebenwirkungen beachtet werden, doch ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis demjenigen von NSAR weit überlegen, die Vorteile speziell für von Gicht betroffenen Patienten überwiegen bei weitem.

Colchicin ist ein Zellgift und darf deshalb nicht bei bestehendem Kinderwunsch und erst recht nicht im Verlauf einer Schwangerschaft eingesetzt werden. Colchicin sollte wie NSAR nicht bei Patienten mit verringerter Nierenfunktion eingesetzt werden. Colchicin darf wegen möglichen Interaktionen nicht bei Patienten eingesetzt werden, die mit starken P-Glykoprotein- und/oder CYP3A4-Inhibitoren wie Cyclosporin oder Clarithromycin behandelt werden. 

Colchicin kann Brechreiz, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen als Nebenwirkungen verursachen. Die Intensität und Häufigkeit dieser Nebenwirkungen wird durch niedrigere Dosen ohne deutlichen Wirkungsverlust verringert. Diese bessere Verträglichkeit bei der  Einnahme von niedrigeren als bisher empfohlenen Dosen wird von den wissenschaftlichen Ligen besonders hervorgehoben. Neue Studien zeigen, dass die einmalige Gabe von 1 mg Colchicin gefolgt von 2-3 Dosen mit 0,5 mg pro Tag ausreicht um einen akuten Gichtanfall erfolgreich zu behandeln. Nebenwirkungen treten dabei viel seltener und weniger intensiv auf.

Zur Vorbeugung vor weiteren akuten Gichtanfällen empfehlen weltweit alle wissenschaftlichen Gesellschaften für den Zeitraum von 6 Monaten nach dem Abklingen des akuten Gichtanfalles die Gabe von 0,5 mg Colchicin pro Tag als die beste Variante.

Weltweit gilt Colchicin heute wieder als das erste Mittel der Wahl bei der Behandlung des akuten Gichtanfalles. Ist der Einsatz wegen Kontraindikationen oder Unverträglichkeit nicht möglich, wird eine Behandlung mit Kortikosteroiden empfohlen.

Eine medikamentöse Langzeitbehandlung zur dauerhaften Senkung der Harnsäurewerte (z.B. mit Allopurinol oder Febuxostat) darf nicht vor dem völligen Abklingen der akuten Entzündung gestartet werden.

Behandlung des akuten Gichtanfalles bei vorliegender Herzerkrankung:

Der Anteil derjenigen Patienten, die neben Gicht keine weiteren Erkrankungen haben, ist äusserst gering.

Besonders häufig sind multimorbide Patienten neben Gicht von Stoffwechselerkrankungen, Diabetes, Übergewicht und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems betroffen.
Speziell für diese Patienten gilt, dass der Einsatz von nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR) wie z.B. Diclofenac usw. die schon vorhandenen Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall drastisch erhöht. 
Dies hat u.a. dazu geführt, dass sowohl die Autoren spezifischer Studien als auch die Hersteller von NSAR raten, den Einsatz dieser Präparate auf die Fälle zu reduzieren, in denen z. B. wegen Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten keine Alternativen zur Verfügung stehen.

Speziell für Gichtpatienten mit vorliegenden Herzerkrankungen ist die in Studien belegte zusätzliche kardioprotektive Wirkung von Colchicin von besonderer Bedeutung.

Diese Studien zeigen, dass im Rahmen der Behandlung von Gicht mit dem Einsatz von Colchicin die Myocardinfarktrate im Vergleich zu Patienten, die kein Colchicin erhalten, um mehr als 60 % gesenkt wird. In diesen Fällen wird Colchicin deshalb von den zuständigen wissenschaftlichen Gesellschaften in Europa und den USA zur Prävention und Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen empfohlen.

Bei Gichtpatienten mit nicht selten gleichzeitig bestehenden latenten oder wiederkehrenden Herzbeutelentzündung (idiopathisch rezidivierende Perikarditis) kann mit Colchicin als Zusatz zur antiinflammatorischen Standardtherapie das Rezidivrisiko halbiert werden und wird deshalb von den zuständigen wissenschaftlichen Gesellschaften in deren Leitlinien als Erstlinientherapie bei primärer und bei rezidivierender Perikarditis beschrieben. In diesen Fällen wird Colchicin deshalb von den zuständigen wissenschaftlichen Gesellschaften in Europa und den USA zur Prävention und Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen empfohlen.

Bei Gichtpatienten mit nicht selten gleichzeitig bestehenden latenten oder wiederkehrenden Herzbeutelentzündung (idiopathisch rezidivierende Perikarditis) kann mit Colchicin als Zusatz zur antiinflammatorischen Standardtherapie das Rezidivrisiko halbiert werden und wird deshalb von den zuständigen wissenschaftlichen Gesellschaften in deren Leitlinien als Erstlinientherapie bei primärer und bei rezidivierender Perikarditis beschrieben.

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Wie wird Gicht behandelt?

So schmerzhaft Gicht auch sein mag, in der Regel ist sie leicht be- handelbar. Schwerpunkt liegt in der raschen Beendigung der Ent-zündungsvorgänge. Danach müssen die Harnsäurewerte wieder ins Lot gebracht werden. Meist reicht eine Umstellung der Ernährungs- gewohnheiten.

In der Regel sind die Chronifizierung und durch Gicht hervorgerufene Komplikationen vermeidbar. Voraussetzung ist, dass die ärztlich ver- ordneten Maßnahmen exakt eingehalten werden.

Erhöhte Harnsäurewerte allein bereiten keine Beschwerden. Vielen Patienten fällt es deshalb im be- schwerdefreien Zustand schwer, Ernährungsempfehlungen täglich umzusetzen, Medikamente regel- mäßig einzunehmen und die Harnsäurewerte in den empfohlenen Abständen kontrollieren zu lassen. Doch genau hierin liegt der Schlüssel für ein beschwerdefreies Leben mit Gicht.

Die Therapie ist untergliedert in die Behandlung des akuten Gichtanfalls und der Dauertherapie: