Informationen zur Krankheit

Wie wird die Diagnose Gicht gestellt?

Zu den typischen Diagnosen, die leicht verwechselt werden können, gehören der akute Gichtanfall und die chronische Gicht. Die Symptome ähneln u. a. denen einer sogenannten rheumatoiden Arthritis. Beide Krankheiten befallen die Gelenke - und wenn keine oder nur unauffällige weitere Symptome erkennbar sind, ist die Diagnose nie einfach.
Gicht entsteht, weil hohe Harnsäurewerte zur Bildung von Harnsäurekristallen führen, die sich in den Gelenken ablagern und ohne - oder bei falscher - Behandlung den Knorpel und Knochen zerstören.

Eine rheumatoide Arthritis entsteht, weil das Immunsystem vor allem in den Gelenken körpereigene Zellen nicht mehr von Fremdkörpern - wie Bakterien und Viren - unterscheiden kann und diese angreift. Auch hier ist das Resultat bei fehlender oder falscher Behandlung die Zerstörung von Knorpel und Knochen.

Beide Krankheitsbilder haben in der akuten Phase gemeinsam, dass eine Entzündung die Gelenke heiß werden lässt, die Umgebung angeschwollen ist und - bei akuter Gicht mehr ausgeprägt – die Schmerzen unerträglich erscheinen. Beide Krankheitsbilder können falsch oder unbehandelt zu Deformierungen, Bewegungseinschränkung und verminderter Gebrauchsfähigkeit der Gelenke führen. 

Eine klassische Arthritis wird trotz deren Gefährlichkeit nach wie vor häufig mit NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika wie z. B. Diclofenac usw.) behandelt - und exakt in dieser Vorgehensweise liegt eine weitere Quelle für das Verwechseln von Gicht mit einer rheumatoiden Arthritis. Der entzündungshemmende und damit schmerzlindernde Effekt der NSAR zeigt sich bei beiden Krankheitsbildern - die Wirkung gibt aber keinen Hinweis auf eine Diagnose.


Umgekehrt gilt aber, wenn bei unsicherer Diagnose anstatt NSAR Colchicin eingesetzt wird, zeigt Colchicin wegen des völlig unterschiedlichen Wirkungsmechanismus nur dann eine Wirkung, wenn eine Krankheit vorliegt, die durch die Ablagerung von Kristallen verursacht wurde. 

Der Grund: Anders als NSAR nimmt Colchicin keinen direkten Einfluss auf die Entzündung, sondern erreicht als einziges Medikament die Ursache der Gichtsymptomatik. Colchicin hindert die weißen Blutkörperchen daran, Harnsäure aufzunehmen und zu transportieren und unterbricht so den akuten Gichtanfall. Auf diese Weise wird Colchicin bei allen sogenannten kristallinduzierten Erkrankungen wirksam - nicht jedoch z.B. bei der autoimmunbedingten, rheumatoiden Arthritis. 

Ein sicherer Weg, die Diagnose Gicht zweifelsfrei zu stellen, besteht in einer Gelenkpunktion mit Entnahme von Gelenkflüssigkeit. Werden in dieser Flüssigkeit Harnsäurekristalle gefunden, ist die Diagnose Gicht zu 100 % gesichert. In der täglichen Praxis wird diese aufwendige und mit einem Infektionsrisiko verbundene Diagnostik aber nur dann durchgeführt, wenn eine Verdachtsdiagnose Gicht ohne weitere Symptomatik besteht.

Wesentlich unkomplizierter verläuft die Diagnose mit dem sogenannten Colchicintest.

Der Patient erhält zunächst testweise für einen Tag Colchicin in einer wirksamen Dosierung, deren Einnahme über 6 bis 8 Stunden verteilt wird. Bei echter Gicht werden die Schmerzen rasch erträglich und verschwinden in der Regel innerhalb 12 Stunden. Ohne Wirkung liegt keine Gicht vor. Da Colchicin bei allen kristallinduzierten Krankheiten wirkt, wäre die Diagnose Gicht aber nicht zu 100 %, sondern zu etwa 90 % gesichert. Diesen Anteil nimmt Gicht im Rahmen aller anderen kristallinduzierten Krankheiten, wie z. B. der Pseudogicht ein. Bestehen Zweifel, gibt eine Gelenkpunktion immer die definitive Antwort.